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11. The makings of the fish (Grelle Forelle)

Grelle Forelle

Kennt noch jemand die Skykitchen? Das war der Club im 7. Stock des Gebäudes gegenüber der Friedensbrücke. Ein Pop-Up-Projekt der besonderen Art und unser erster Kontakt mit jenen Leuten, die später unter dem Label TURBO projects zu den Betreibern der Grellen Forelle werden würden. Es kostete uns damals noch sehr viel Überzeugungskraft, uns gegen die „Ideen“ der Konkurrenz durchzusetzen, denn trotz des schon damals als Stratement zu verbuchenden Clubs Flex (Soundupdate mit Alcons Audio, 2007), hatten wir noch etwas an unserer Reputation zu arbeiten. Als es schließlich um die Planung der Forelle ging, war das schon etwas anders…

In der Skykitchen installierten wir nämlich unser erstes vertikales Bassarray. Oh Mann… Die Erinnerung an dieses Basssystem bringt heute noch ein Schmunzeln auf unsere Lippen. Heute undenkbar, konnte man den Bass sieben Stockwerke weiter unten und zwei Häuserblocks entfernt noch ziemlich gut wahrnehmen. Etwas, das im Wien der 2020er-Jahre so wohl nicht mehr denkbar wäre. Aber, wir schweifen ab.

Das Nachfolgeprojekt: die Grelle Forelle. Nicht nur hat sich dieser anfangs etwas ungewöhnliche Name inzwischen in der internationalen Clubszene nachhaltig als absoluter Topclub etabliert, sondern es war zu Beginn der Planung auch ganz klar, dass wir das Sound- und Akustikkonzept machen würden (siehe oben)

Ein Teil des Konzepts entstand in der Hängematte während des Urlaubs in Kroatien, also sehr entspannt und mit viel Ruhe, um das in dieser Form ziemlich einzigartige Beschallungs- und Akustikkonzept durchzudenken. Leute, diese Blicke als wir den Betreibern erklärten, sie müssten eine komplette Wand in den Club einziehen, in die wir die Anlage einbauen würden. Das hatte mehrere Gründe: Erstens war für uns völlig klar, dass der eigentliche Dancefloor und der Bereich für Backstage-Technik und Lichttechniker vom zu erwartend lauten Geschehen zu trennen wäre. Zweitens, obwohl das heute überwiegend so gehandhabt wird, dass die DJs auf dem Dancefloor auflegen, integrierten wir den DJ-Booth in diese Konstruktion. Und drittens ermöglichte uns diese solide Wand (30cm Ziegel) die Integration des Soundsystems, bestehend aus zwei vertikalen Basslinien mit je vier Lambda Labs DW-15 Subs und je einer 1.5 Meter langen Linie Alcons Audio QR36 Linienstrahlern mit Pro-Ribbon-Technology. Für die Techniker: Das schafft Halbraumbedingungen. Für die Nichttechniker: Keine wie auch immer gearteten ungewünschten Reflexionen von Boden, Decke oder Rückwand. Für alle Besucher und Fans der Forelle: Eine der vielen grundsätzlichen Überlegungen, die euch letztlich diesen Sound bescheren.

Abgerundet wird das Ganze durch ein 4-Punkt-Setup mit zwei weiteren QR36-Linien, die den Dancefloor einrahmen. Und natürlich handelt es sich hierbei um kein banales 4-Punkt-Setup – das wäre zu einfach. Demnach erfolgt die Ansteuerung der hinteren Lautsprecher derart, dass man ab der Bar in den Soundspace „eintritt“, um nach nur wenigen Metern von diesem völlig umschlossen zu werden, wobei die Ortung vorne bleibt. Dort, wo der Sound unserer Meinung auch hingehört: nämlich zum DJ.

Ab der Bar ergänzen zwei Alcons Audio VR12-Systeme das Frontsystem und beschallen den hinteren Bereich des 30 Meter langen Clubraums. Aufgrund des Konzepts der vertikalen Basslinien haben wir in der Forelle einen sauberen Bassimpuls, der sich durch den ganzen Clubraum erstreckt und auch noch im Loungebereich hinter der Bar präzise und resonanzfrei für ein solides Fundament sorgt. Ohne entsprechende Akustikmaßnahmen wäre das so aber natürlich nicht möglich. Demnach installierten wir im gesamten Bereich der Rückwand des Clubs eine mehrschichtig aufgebaute, 60cm tiefe Bassfalle aus porösen Absorbern, Luftvolumina und customised Membranabsorberelementen. Das war zwingend notwendig, um jegliche Reflexionen der stark gerichteten Basswiedergabe von der Rückwand zu vermeiden, denn diese hätten zahlreiche Interferenzen erzeugt und die so selbstverständlich wirkende Basswiedergabe über die gesamten 30 Meter des Clubraums empfindlich gestört.

Nachdem sich die Clubführung vor einigen Jahren entschlossen hatte, vermehrt auch Livekonzerte zu veranstalten, wurde das bestehende Soundsystem mit je drei Alcons Audio RR12 Topteilen pro Seite ergänzt, die bei Livekonzerten links und rechts der dann am Dancefloor aufgebauten Bühne gehängt werden. Am Basssystem selbst gab es hierfür keine Änderungen, außer, dass wir dessen Charakteristik, Abstimmung und Übernahmefrequenzen zu den Tops für die Anforderungen der Livesetups anpassten. Das heißt, dass alle MusikerInnen vor dem Basssystem spielen. Und ja, das geht. Ohne Feedbackprobleme. Warum? Weil die vertikalen Basslinien eine einheitliche und koheränte Wellenfront bilden und die Mikrofone demnach jeweils nur einen geringen Energieausschnitt des Gesamtsystems „sehen“.

Schon damals implementierten wir unseren Standard, dass das gesamte System per Notebook/Tablet über WLAN steuerbar ist und die Techniker dadurch die Möglichkeit haben, jederzeit über einen direkten Systemzugriff auch während der Shows das System von jedem beliebigen Punkt im Raum zu kontrollieren und an die Erfordernisse unterschiedlicher Genres und Quellen optimal anzupassen.

Darüber hinaus gibt es über die Grelle Forelle nicht viel zu sagen. Die Reputation des Clubs als Institution im Bereich elektronische Musik reicht inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus und gilt auch international als Statement für hochwertigste Clubatmosphäre.

Wolfgang Sauter, Pro Performance